NOLA

Es ist soweit.

Nach schier endloser Lightroomerei und etwas Photogeshoppe sind die Bilder aus New Orleans fertig…

Die Stadt ist einfach wunderschön. Besonders das famose French Quarter hat es mir wirklich angetan. Außerdem scheint man hier, im Gegensatz zum Rest der USA, den Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit nicht nur zu tolerieren, sondern zu fördern. Ständig laufen einem alkoholisierte Menschen über den Weg, wobei die Palette, breit gefächert, von leicht angezählt bis schlafend auf dem Bürgersteig reicht. Also für jeden was dabei. Als besonders beliebt erweisen sich dabei Daiquiris (Rum, Saft, Rohrzuckesirup), die in einem Behältnis geliefert werden, das aussieht wie eine Bong allerdings gegen Ende wie eine Fleur des Lis geformt ist. Das Zeug gibt es an jeder Ecke und in allen erdenklichen Variationen und Mengen.

Aber Herr Santos hat keine Zeit, um sich mit weltlichen gelüsten herumzuschlagen, zumindest nicht bis es wieder Zeit ist zu essen. Und das ist hier ziemlich gut, besonders wenn man Meeresfrüchten und Fisch nicht abgeneigt ist. Nein, Herr Santos ist hier um der Heimat einen Anteil seines Gesehenen und Erlebten zu vermitteln. Deshalb werde ich den sehr verehrten Leser nun auf eine verkürzte Version meines Rundgangs durch das French Quarter mitnehmen, nicht damit es später heißt ich hätte mich hier nur fettgefressen…

Los geht es mit einem kleinen Video, das ich während meines ersten Rundgangs aufgenommen habe. Das ganze zeigt das French Quarter rund um den Jackson Square, nahe des Mississippi. Leider in etwas schechter Qualität, aber ich hatte echt keinen Bock mehr auf zwei Stunden rendern für zwei Miuten Video…

Wer aufgepasst hat und mit der Chappelle Show vertraut ist, dem ist vielleicht der Herr mit dem Samuel Adams T-Shirt aufgefallen und hat sich ähnlich gefreut wie Herr Santos…

Eine Runde um den Park gedreht und schon stehen wir am Ufer des Mississippi, dem geschichtsschwangeren Fluss, der Mark Twain als Quelle der Inspiration gereichte und der Stadt in ihren jüngeren Jahren unfassbaren Reichtum beschehrt hat, denn hier fand so zimelich der gesamte Seehandel statt. Auch die berühmten Dampfschiffe erlebten hier ihre absolute Blütezeit. Ihr Untergang begründete sich im Bau der Eisenbahnstrecken, die schneller und günstiger waren und dies stellte in gewisser Hinsicht auch den Untergang New Orleans‘ dar. Dann kam noch so ein Hurricane dazu und BAM – New Orleans heute. Die Nachwirkungen von Hurricane Katrina und Hurricane Rita sind heute noch sichtbar.

Aber ich schweife schon wieder ab. Ich war schließlich keine 11 Stunden im Sitz der Continental Airlines Holzklasse eingeklemmt, um mir irgendwelches Geheule über Strukturschwache Regionen und Nachwirkungen von Fluten anzuhören. Da kann ich auch nach Dresden…

Wir befinden uns also am Ufer des Mississippi. Und da heißt uns als erstes eine Statue willkommen, die den Einwanderern gewidmet ist, die dieses Land groß gemacht haben. Da kommt sich gleich geborgen vor. Besonders wenn man bedenkt, daß Rassismus gerade in Louisiana gar kein Thema mehr ist. Wer, wie Herr Santos, eher pessimistisch veranlagt ist, könnte den Umstand, daß die Statue gleich am Hafen aufgestellt ist, natürlich auch als Aufforderung verstehen, sich doch bitte zu verpissen…

Schnell weiter, bevor meine Gastgeber meinen Zynismus meinem bärtigen Antlitz entnehmen können.

Es geht statuesk weiter. Die nächste findet sich an einem der Ausgänge des Hafens, wo es Richtung French Quarter geht, denn das will Mr. Santos etwas genauer erkunden. Diese ist allerdings ungleich moderner und hat, PG-13 tauglich, keinerlei Geschlechtorgane, sondern nur einen riesigen Busch.

Schließlich wieder im French Quarter, fällt sofort auf, daß New Orleans eine religiöse Stadt ist. Allerdings muss schon etwas Kreativität aufgebracht werden, um die Kundschaft bei der Stange zu halten. Das haben auch die Christen begriffen und gehen konsequent mit der Zeit.

Allerdings haben sich auch andere, traditionell eher analoge Praktiken der digitalen Moderne angepasst. Besonders in den Zahlungsmöglichkeiten…

Und zack sind wir wieder am Jackson Park, den wir passieren müssen, um tiefer in das French Quarter vorzustoßen. Hübsch isses hier ja. Aber irgendein Spacken musste ja seine Mülltonne genau in die Mitte meines Blickwinkels positionieren, um mir den sonst ziemlich perfekten Shot zu versauen.

Direkt dahinter finden wir noch einen hübschen Brunnen.

Und dann sind auch schon mittendrin statt nur dabei. Die Kulisse ändert sich abrupt und das „echte“ New Orleans breitet sich in einer Vielzahl von kleinen, engen Straßen vor Herrn Santos aus. Im Hintegrund sind noch die Reste von Downtown NOLA zu sehen.

Und weichen schließlich ganz den klassischen Häusern des Frensch Quarters.

Wie die Zeit vergeht…schon wieder Mittag. Heute: Seafood im Oceana.

Herr Santos entscheided sich für einen Blackened Catfisch Poboy. Das ist eine Art Sandwich mit in Pfeffer mariniertem Wels etwas Salat und einer undefinierbaren, aber lckeren Sauce. Schmeckt gut das Teil. Über die Herkunft des Wortes Poboy (man sieht auch Po Boy und Poor Boy) streiten sich die Gelehrten.

Weiter im Takt. New Orleans eignet hervorragend für das ausgesprochen Glückbasierte Feld der Street Photography. Mal erwischt man ein gutes Motiv, meistens aber nur Scheiße. Das hier geht durch, findet Herr Santos und postet es deshalb.

Den Weg kreuzen immer wieder mit Touristen befüllte Kutschen. Ja, Herr Santos nimmt sich das Recht heraus sich als Besucher und nicht als Tourist zu bezeichnen, auch wenn ich mit 10 Kilo Kameraequipment rumlaufe und auf alles draufhalte, was „authentisch“ aussieht – zum Glück bin ich kein Japaner und im Bus angreist:) Die Grenzen sind fließend, fallen im Zweifelsfalle aber immer zugunsten des Autors aus.

Musik ist in vielen der Straßen zu hören. Zu meinem Bedauern aber sehr wenig Jazz.

Und wo wir gerade beim Jazz sind: auf der Straße laufe ich einem jungen Mann über den Weg, der mich anspricht und fragt, ob ich Jazz mag. „Sure“, antworte ich und wir kommen in´s Gespräch. Ich erfahre, daß der gute Isiah McGill heißt und versucht sein neues Album „Jazz Man Vol. 2“ auf den Markt zu bringen. Er hat ein kleines CD-Radio dabei, aus dem er mir einige Tracks anspielt und mich nach meiner Meinung fragt. Ich bin ehrlich und sage ihm, daß das nicht unbedingt mein persönlicher Geschmack ist, denn die Musik ist eine seltsame Mischung aus jazzartigen Soli über recht merkwürdigen Beats, und sage, daß ich eher auf puren, instrumentale Jazz stehe. „Oh, no Problem. Check this out!“, spricht Herr McGill und wechselt mit sichtbar häufig wiederholten, weil unglaublich schnellen und präzise ausgeführten Bewegung die CD: Jazz Man Vol. 1 – Mellow Moods. Die Namensgebung lässt nicht viel Kreativität vermuten, aber das Ganze kligt schon besser. 10 Dollar möchte Isiah für die CD haben. „I´ll give you five, but I´ll take your portrait and send it to you in return“, bietet Herr Santos an und Isiah steigt auf den Deal ein. Wir tauschen E-Mail Adressen und weiter gehts.

Ich bin noch nicht ganz fertig damit, aber hier schon ein erster Entwurf von Isiah´s Street Portrait.

Ich treffe Isiah insgesamt drei Mal an diesem Tag. Das French Quarter ist doch kleiner als ich dachte…

Dafür passt allerdings recht viel Kurioses rein. Beispielsweise lässt sich dieser Herr recht spontan die Haare schneiden und sorgt damit für einige Aufmerksamkeit. Ich frage ihn und seine Stylistin, ob es OK ist, wenn ich ein Foto von Ihnen mache. „Oh thats alright with me“, sagt sie. Ich solle nur schnell machen, da ihr Kunde sich wohl leicht ablenken lässt, was zu unerwünschten Drehungen des Kopfes führt „because if he keeps moving his head, I´ll cut it off eventually…“

Na dann Hotte Hü! Überhaupt scheinen die Menschen hier recht wenig dagegen zu haben fotografiert zu werden. Soll mit recht sein, denn so kommen schöne Bilder zu Stande.

Beispielsweise von diesem Pärchen, deren Kopfbedeckungen meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Wobei sein Hut dann doch eine extra Aufnahme wert war.

Manche braucht man auch gar nicht fragen, da sitzt es gleich. Im wahrsten Sinnne des Wortes.

Und wenn gerade keine Menschen zur Verfügung stehen, sind die Häuser bzw. deren Dekoration dankbare Motive.

Das kann sogar mal eher mediterran ausfallen…

In so ziemlich jeder Straße findet man diese Pferdeköpfe. Könnten vielleicht Parkschilder aus der Zeit sein, in der das Fortbewegungsmittel der Wahl ein Einhufer war.

Das ganze wird abgerundet durch wichtige Tips für ein erfülltes Dasein…

Besonders schön finde ich das „Thank You“ in der Ecke 🙂

New Orleans lebt von seinen Gebäuden, die den besonderen Charme dieser Stadt ausmachen. Besonders im French Quarter.

Aber auch die Zwischenräume der Häuser bieten oftmals schöne Einblicke. Besonders gegen Abend.

Aber auch ganze Straßenzüge lassen mich innehalten. Allen voran die Canal Street am Rande des French Quarter, mit ihren Straßenbahnen, hat es mir angetan.

Trotz all der Schönheit der Gebäude und Straßen, bleiben für mich persönlich die Menschen in New Orleans am interessantesten. Man sieht hier Figuren, die man sonst so nicht zu Gesicht bekommt. Dazu kommt man mit diesen auch so unkompliziert ins Gespräch, wie ich es bisher sonst nirgendwo erlebt habe.

Zum Abschluß noch ein paar besonders sympathische, merkwürdige und einzigartige Menschen, die ich zum Glück, wenn auch nur für einen Augenblick, in ihrer Einzigartigkeit festhalten konnte. Herr Santos bedankt sich bei New Orleans für 4 wunderbare Tage, die er so schnell nicht vergessen wird. Ich komme mit Sicherheit wieder…

So, hier isses jetzt 01:51 morgens und ich geh jetzt pennen. Oh, und bevor ich es vergesse: HAPPY HALLOWEEN!